Nordportugal 2 – Lindoso

Bei der Planung unseres Urlaubs in Nordportugal war klar, dass wir einen Abstecher in den Nationalpark Peneda-Gerês nahe der spanischen Grenze machen wollten. Es war auch unser Rückzugsplan für den Fall, dass uns die Hitze zu viel werden würde. Leider wurde gerade Portugal 2017 von zahlreichen verheerenden Waldbränden heimgesucht, sodass wir vom lt. Wikipedia „immergrünen Park“ einen eher verdursteten Eindruck mitnahmen.

Überhaupt hatten wir bei unserem Abstecher von Ponte do Barca auf der Richtung Osten stetig ansteigenden, kurvenreichen N304 einen eher düsteren Eindruck. Wenig Leben in den entlang der Straße befindlichen, spärliche verstreuten Dörfern und ein sich mit dicken Wolken im Licht und Schattenspiel ständig veränderndes Himmelsschauspiel versetzte uns eher Richtung Mittelalter denn ins Hier & Jetzt.

Unser Ziel war Lindoso, ein Ort mit einer aus massiven Stein errichtete Burg aus dem 13. Jahrhundert, samt auf der westlichen Seite angelegten, merkwürdigen Bauten. Als ich bei der Urlaubsvorbereitung erstmals die Bilder dieser Gebilde sah, da wusste ich sofort, dass ich mir diese unbedingt aus der Nähe ansehen muss.

Seit seiner Errichtung unter Alfonso dem III, hat dieses rein zu militärischen Zwecken erbaute Kastell seine tragende Rolle erst in der bewegten portugiesisch/spanischen Geschichte erhalten. Später hinterließ der Zahn der Zeit deutliche Spuren und erst in letzter Zeit gibt es wieder Bemühungen zur Erhaltungspflege, obwohl die Burg bereits 1910 vom Portugiesischen Parlament den Status eines nationalen Monuments verliehen bekommen hat. Klar ist aber auch, dass Renovierung eine kostspielige Angelegenheit ist und Portugal nicht zu den reichen Staaten der EU gehört (hat).

Bei unserer Ankunft verdichtete sich dann der Himmel auch noch mit grauen Wolken, es begann dauerhaft zu nieseln und von der Ortskirche gegenüber startete gerade eine Leichenprozession ihren Weg zum Friedhof, so, als ob uns dieser Ort seiner Geschichte nach standesgemäß empfangen wollte. Auf gut österreichisch würde ich sagen: alles etwas „enterisch“ – unheimlich.

Die Steinbauwerke auf Sockeln, die mich an diesen Ort gelockt haben, das sind Hórreos – Getreidespeicher. Eine Idee, die es ja auch im Alpenraum gibt, zB. für Kukuruz/Mais. Wer sich aber die Bilder dieser Hórreos ansieht, der wird mir wohl beipflichten, dass es nicht viel Phantasie benötigt, sich diese Gebilde im Kontext dieses Ortes und ihrer länglichen Form und einem mit Giebelkreuz obendrauf für andere „Einsatzzwecke“ vorzustellen.

Diese Speicher gibt es auf der iberischen Halbinsel in mannigfaltigen Bauformen und hatten den Zweck, die Ernte vor den in dieser Region großen Niederschlagsmengen, also vor Verrottung durch feuchte zu schützen. Zudem sorgten die Sockelbauweise mit den oben aufgesetzten Platten für einen Überhang, der für Schädlinge eine schwer zu überwindende Hürde darstellt.

Die Speicher sind heutzutage kaum mehr in Gebrauch, werden aber als lokales Kulturgut bzw. Touristenattraktion erhalten.

Jedenfalls nutzte ich ein paar Minuten Regenunterbrechung für einen kleinen Rundflug mit dem Quadrokopter und wurde mit einer für den Ort sehr passenden, fast dichromatischen Stimmung belohnt.

 

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