Auenland I

Von Linz aus gesehen ist die Wildnis in Form von Auenland gar nicht so weit weg. Entweder ostwärts entlang der B3, die zu den Steyregger Baggerseen führt oder aber gen Süden in die Traunauen bei Ebelsberg bzw. ein Stückerl weiter Richtung A1/Pichling zu den beiden Weikerlseen und weiter übers Mitterwasser hin zum Ausee, der seine Lage im Namen führt.

Für viele Personen scheint die Auenlandschaft nur aus undurchdringbarem Gestrüpp und Lianen zu bestehen, wer aber wachen Auges auf einen den zahlreich vorhandenen, schmalen Wegen wandert, darf sich nicht nur an der vielfältigen Fauna erfreuen, sondern auch an vielfältigen Mustern & Strukturen, welche die Evolution in Jahrtausenden ausgebildet hat.

Zudem kann die Auenlandschaft auch mit unterschiedlichem Farbenspiel bei mir Punkten. Ganzjährig mit unterschiedlich ausgeprägten Reflexionen an der Wasseroberfläche, im Frühling mit satt üppigen Grünvariationen, im Herbst in gedeckten Farbnuancen und der Winter vermag die Szenerie an einzelnen Tagen in Hell/Dunkel-Kontraste der Marke “Schnee & Holz” zu verwandeln – leider viel zu selten!
Herrscht – wie heuer im Frühling über mehrere Wochen trockenes Wetter mit Sonnenschein – erfreue ich mich in der Übergangszeit vor dem förmlich explodierenden, intensiven Frühlingsgrün noch an der aktuell vorherrschenden Auen-Modefarbe: einer Gelbgrün/Ocker/Hellbraun-Di- bzw. Trichromatie. Für viele einfach nur “fad & langweilig”, für mich aber gedeckt, reduziert und aufs Wesentliche fokussiert.  Einfach nur stimmig. Aber das gilt wohl auch genauso für jede andere der 4 Jahreszeiten.

Ostwärts am linken Donauufer beginnt die Auenlandschaft gleich nach der Steyregger Brücke und zieht sich in unterschiedlich breiten, naturbelassenen, aber isolierten Streifen stromabwärts bis Mauthausen. Jedenfalls fiel für dem damaligen Ausbau der Bundestrasse 3 (B3) einiges an Auenland zum Opfer. Vor mehr als 35 Jahren saß ich im Zug der Summerauer Bahn und bestaunte ungläubig mit Tränen in den Augen den Teilverlust des Au-Urwalds. Zu detailliert war die unwiederbringliche Zerstörung dieses ursprünglichen Lebensraums für Tier und Pflanzen für mich erkennbar, da die neue und begradigte Schnellstraße entlang der Bahntrasse verläuft.

Auch damals gab es bereits durch Schotterabbau entstandene Baggerseen. Heute ist diese Steyregger Seenlandschaft in Händen der Welser Treul Kieswerke. Auch wenn deren Homepage Beispiele der Renaturierung ihrer Abbaugebiete aufzeigt – so wird der Begriff „Geborgtes Land“ für Steyregg die Bildung neuer attraktive Freizeitflächen für Fischern und Wassersportler angeführt – ist es nicht zu übersehen, dass große Flächen des einstigen Urwalds bereits für immer verschwunden sind. Eine Aufforstung ist teilweise zu erkennen, jedoch eher mit in ordentlichem Spalier stehenden, schnellwüchsigen Bäumen, die gar nicht so recht zur sonstigen Auenlandschaft dazu passen.

Ja, das Wasserskizentrum Salmsee ist aus ehemaligen Kiesgruben entstanden. Vor über 30 Jahren als Wasserski-Leistungszentrum für die traditionelle Disziplinen Slalom, Trickski und Springen errichtet wird es heute von Wakeboard-Legende und Weltmeister Daniel Fetz als Wakeboardschule betrieben. Alles schön & gut, jedoch macht dies nur einen geringen Anteil am Gelände der Ringelau aus und ist ja erst wieder Teil einer kulturellen, also von Menschenhand geformten Freizeiteinrichtung („Naherholung“) und folgt somit nicht der Flächenrückgabe an sich überlassene Natur zum Wohle der Artendiversität.

Somit ist nicht alles fotogen in diesem Landstrich der Ringelau. Wer aber mit Neugier einen der zahlreich kleinen Pfaden folgt, wird mit wenigen Schritten abseits mit schönen dichromatischen Urwald-Szenerien belohnt. Und da steh‘ ich drauf 😉!

Addendum Anfang Mai:
Natürlich hat die Natur wiederum in ihrem jahreszeitlichen Voranschreiten mein Blogverhalten eingeholt. Nach ein paar Regentagen hat die Au ihr monotones Farbenkleid abgeworfen und alles sprießt nunmehr in sattem Grün. So füge ich neben den Braun- & Ockerbildern nun auch einfach jene in Frühlingsfarbe vom letzten Aprilwochenende mit dazu.

PS: die meisten der Bilder im Beitrag wurden mit leichtem Equipment – also mit meinem iPhone X – geschossen. Eine Wohltat, den Spaziergang gemütlich und ohne Fotogepäck absolvieren zu können. Bei guten Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse durchaus in Ordnung, wenngleich auch im Detail nicht immer ganz zufriedenstellend: so zB. beim nervösen Bokeh!

 


Tipp zum Ansehen der Bilder: Wem die wechselnde Größe der Bilder und die damit einhergehende wechselnde Position der Pfeile zum Weiterblättern nervt, der klickt einfach auf das Bild und blättert nun, bei konstanter Position der Pfeile, im Vollbildmodus durch die Gallerie.

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Auenland III – in der Wildnis – R|E|F|RO's Glass Stories | Objektivgeschichtenreply
26. Mai 2022 at 11:16

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