Luganer See vom Monte Brè

Einfach herrlich – Marke Sehnsuchtsort!

Es gibt viele Orte, die erschließen sich erst in voller Schönheit nach längerem Betrachten in aller Ruhe und Stille. Da muss man sich auch gar nicht mehr wirklich physisch am Ort selbst befinden. Es reicht z.B. das Betrachten des Mai-Kalenderblattes. Zugegeben, bei mir ist das ein Foto von stattlicher Dimension, Teil des diesjährigen 2022er-Panoramakalenders. Und der befindet sich an einem stillen Örtchen. Zeit genug also, jeden Tag in aller Ruhe die Aussicht zu genießen – jeden Tag auf‘s Neue, und das einen ganzen Monat lang 😉.
Komischerweise habe ich jetzt viel mehr Muse, diese wundervolle Landschaft und Aussicht auf den Luganersee zu bewundern. Vor unserem Urlaub im oberitalienischen Seengebiet wollten wir eigentlich unsere Zelte im Tessin aufschlagen. Wer dann aber die Preisliste der Quartiere in der Schweiz für einen 14-tägigen Urlaub grob überschlägt, kommt schnell zum Entschluss, sich nach Alternativen umzusehen. Wir gehören nicht zur armutsgefährdeten Bevölkerungsschicht in Österreich, aber wenn ich in Italien zwei Urlaube inklusive Besichtigungsprogramm, Kultur und gehobenen Abendessen zum Preis für ein schweizerisches Standardzimmer mit Frühstück bekomme, dann müssen meine Frau und ich nicht zweimal überlegen, wo wir unsere Unterkunft beziehen. Egal, das ist eine andere Geschichte und sie sei ggf. an anderer Stelle weitererzählt. Jedenfalls ist der Hausberg von Lugano, der Monte Brè, bei der Urlaubsplanung ein Pflichtbesuch in dieser Region.

Es ist schon eine besondere Aussicht, die sich dem Besucher hier auf 925 m Seehöhe bietet, nachdem die Höhenarbeit von der Standseilbahn auf den Monte Brè erledigt wurde. Im letzten Sommer war das mit Maske, sommerlichen Temperaturen und prallvoll gefüllten, stickigen Wagons auch kein Honigschlecken – trotzdem aber waren wir froh, überhaupt verreisen zu können! Seit 1912 erreicht die Bahn in 2 Abschnitten den sonnenreichsten Berg der Schweiz. und bietet im unteren Abschnitt eine schöne Aussicht auf  den gegeüberliegenden Monte San Salvatore.
Vom „Italienischen Balkon“ im Osten über den Seedamm von Melide zum zweiten Hausberg der Luganer, dem Zuckerhut-ähnlichen Monte San Salvatore zu den im Westen gelegenen Walliser Alpen.
Grandioses Panorama – am besten bei einem kühlen Blonden und/oder Espresso von der Terrasse des Ristorante Vetta genossen, bevor wir uns an den Abstieg zurück und hinunter nach Lugano machen. Ich dachte, dass ein direkter Weg an der Westflanke nach unten führt, doch weit gefehlt! Alle Wege führen über das Örtchen Brè und dem anschließend durch den schattigen Wald verlaufenden Sentiero Nevaca. Gut die Hälfte der Höhenmeter runter zum See muss dann aber leider über Treppen und Stiegen „gefressen“ werden, welche die Serpentinenstrasse am Westhang abkürzen. Ein „Strassenhatscher“ würden wir bei uns titulieren, kein wirklich romantischer Weg, zumal von hier aus bereits gut ersichtlich ist, dass Lugano als Stadt zur Besichtigung wenig Anreize offerieren kann.

Von der zentral gelegenen Tiefgarage beim Kongresshaus geht es durch den Park der Villa Ciani und zur im Park der Piazza Indipendenza gegenüberliegenden Skulptur des Eros Bendato, dessen bandagierter Kopf des griechischen Liebesgottes die Inhaftierung von Wünschen und Ideen symbolisieren soll. Der Uferpromenade entlang weiter zu Luganos zentral gelegenem Hauptplatz, der Piazza Riforma, drehen wir eine Schleife durch die verwinkelte, kleine Altstadt zurück zum Ausgangspunkt. Denn zum Abendlicht sollte der Sonnenuntergang vom Monte San Salvatore aus gesehen am Programm stehen.
Schön blöd schauen wir dann aber gemeinsam mit etwa zehn anderen Touristen, als wir um 18:15h vor den verschlossenen Türen der Talstation der Standseilbahn stehen und starren ungläubig auf das Schild, welches uns verkündet, dass in der ersten Juliwoche eben um 18 Uhr bereits Betriebsende ist – chiuso e finito, è così semplice!

Dies gemeinsam mit der Tatsache, dass eine Stunde vorher eine Taube an der Piazza Riforma meine liebe Renate von oben „beglückte“, lässt uns also nur bedingt positiv an Lugano zurückblicken. Da braucht’s dann wieder die Erinnerung an einen Sehnsuchtsort – wie eben jene der Marke „Panoramabild Monte Brè“ 😊 Welch‘ ein Glück – Addio Svizzera!

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