Mein persönliches Jahresthema: Schärfe (Teil I)

Es sind gute und schlechte Zeiten zugleich für uns „Bilder-Knipser“… so fängt mein (noch nicht publizierter) Beitrag zum Thema „Understanding my Photography“ an. Bei einem der im Beitrag behandelten Aspekte geht es mir darum, wie die digitale Fotografie unser Verständnis und unser Arbeiten, unseren Umgang mit Bildern beeinflusst (hat). Nur so nebenbei: der Beitrag hat für die Allgemeinheit natürlich weniger Relevanz als für mich selbst – aber sich darüber im Klaren zu sein, WAS und vor allem: WARUM man das fotografieren will sind unabdingbare Voraussetzungen für das WIE als auch die Grundlage für stetige Verbesserungen

Mein persönliches Fazit aus dem Eingangsstatement: die Möglichkeiten sind – einerseits auf den gesamten Prozess betrachtet und andererseits im Vergleich zu früher – deutlich mannigfaltiger geworden, die Materie „Fotografie“ – sprich: ich nehme ein Bild auf – ist dadurch komplizierter (nicht komplexer!) geworden und ich persönlich bin durch den vermehrten Einsatz der unzähligen technischen Helferlein im Hintergrund in Teilbereichen zB. bei der Aufnahme um einiges nachlässiger geworden. Und das bleibt nicht ohne Konsequenzen! Und kann damit auch keinen positiven Beitrag zu meiner fotografischen Entwicklung leisten.

Ein wenig konkreter stellt sich die Situation so dar:

In unzähligen Bereichen wird das Fuji-X-System samt der verfügbaren Objektivlandkarte immer wieder positiv hinsichtlich der (tlw. als „knackig“ bezeichneten) Schärfe“ gelobt – und dies bereits nahe der Offenblende. Für mich persönlich ist dies bei einigen Linsen einfach nachzuvollziehen zB. dem XF90f2, bei anderen wiederum weniger (zB. den im Weitwinkelbereich angesiedelten Objektiven) und auch im Bezug zu den anderen, arrivierten Herstellern traue ich mich nicht zu behaupten, dass entwickelte Bilder bei Fuji iA. Ein besseres Schärfeprofil aufweisen.

Überhaupt hätte ich bei meinen Bildern generell gerne etwas mehr Spielraum hinsichtlich Schärfe. Und genau in diesem Bereich gibt es ja einige Diskussionen beim Post Processing des X-Trans-Sensors. Ich verwende zur Entwicklung meiner RAW-Bilder Adobe’s Lightroom und diesem Programm wird ja immer (zumindestens in der Vergangenheit) angelastet, mit dem Demosaicing des X-Trans-Sensors ein wenig Probleme zu haben – Stichwörter: schmieren, wächserne Hauttöne bei höheren ISO-Einstellungen, „water coloring“, Wurmartefakte, etc. . Egal, denn wie dem auch sei, dies sind mE. erstmals „nur“ technische Probleme (für die Pixelpeeper unter uns). Es gibt dazu aber auch noch einen anderen Aspekt – jenen des Fotografen, der eine Linse zusammen mit einer gewählten Blende und dem Bildmotiv zu einer Gesamtkomposition führt. Und dies ist ein mein viel größeres Thema.

Ich habe mich iA. bereits öfters gefragt, wieviel Unschärfe dem Bildbetrachter zumutbar ist? Denn oft schieße ich Bilder, die einen signifikanten Unschärfeanteil im Bild enthalten. Unschärfe als Stilmittel der Freistellung ist ja per se einmal in Ordnung, ein weiterer Freiheitsgrad sozusagen, die Frage ist nur: wie wirkt sie, die Unschärfe?
Und aus Eigenreflexion weiß ich nämlich auch, dass ich während der Aufnahmesituation nicht (immer) zuverlässig beurteilen kann, ob ein Unschärfebereich im Bild nun für die Komposition eher förderlich oder eher hinderlich wirkt. Das kann ich erst beim ruhigen Betrachten des Bildes zuhause am Monitor beurteilen – naturgemäß dann aber oftmals ohne die Möglichkeit, das Bild wiederholen zu können.

Vor kurzem habe ich Statement eines langjährigen Profifotografen gelesen, der behauptet hat, dass viele Fotografen heute gar nicht in der Lage sind, korrekt scharfe Bilder aufzunehmen. Und damit hat er sicherlich nicht die Masse jener Bildaufnahmegeräte gemeint, die aus technischen Konstruktionsgründen ohnehin immer nur scharfe Bilder aufnehmen können – deren Benutzer also gar keine Wahlmöglichkeit zur Unschärfe zur Verfügung stehen. Zudem habe ich aus dem letzten Sommerurlaub eine signifikant größere Bildanzahl als üblich mitgenommen, die das Attribut „technisch unscharf“ trägt – also Bilder für die Mülltonne. Die Gründe dafür – und damit komme ich jetzt zum Thema wieder zurück – könn(t)en natürlich technischer Natur sein (wie zB. Autofocus defekt nicht perfekt) oder aber ist – viel, viel wahrscheinlicher – meiner eigenen Nachlässigkeit zuzuschreiben .

Denn ich verlasse mich einfach darauf, dass der Autofokus scharf gestellt hat. Ich kontrolliere dies nicht mehr. Habe ich aber früher getan. Früher, damit meine ich die ersten Jahre nach der Transition von analog zu digital, von Film zu Bits & Bytes. Früher, als die Anzahl der meiner aufgenommen Bilder noch geringer überschaubar war. Früher, als ich noch überlegter und bewusster einzelne Bilder aufgenommen habe, ja da habe ich jedes einzelne Bild am Monitor vergrößert und kontrolliert. Weil ich mit dem neuen Zeitalter noch nicht so vertraut war wie heute. Weil ich generell zwar gerne fotografiert habe, aber eben noch nicht so geübt wie heute war. Alles gleich jedes Bild kontrollieren? Undenkbar heute. Und das, obwohl es auch heute noch für den Autofokus unüberwindbare Hürden gibt, wie zB. im Sonnenlicht stark reflektierende Objekte.

Und genau dahin muss ich wieder zurück. Zur Kontrolle. Nicht bei allen Bildern und nicht immer, nicht bedingungslos. Aber sicherlich bei den wichtigen, bei den „kritischen“ Shots. Natürlich stellt sich mir da gleich die Frage: wie kann ich diese wichtigen Aufnahmen zuverlässig gleich im Vorhinein immer erkennen? Die Kontrolle erfolgt ja erst im Nachhinein. Wichtiger wären mir aber Ansatzpunkte im Vorhinein – proaktiv statt reaktiv, sozusagen.

Blöderweise habe ich noch einen zweiten Punkt im Kontext des Themas zu beackern: nämlich jener der Schärfentiefe bei mittel- & langbrennweitigen Objektiven. Denn genau diese stellen in vielen Situationen meine bevorzugte Sichtweise auf die Welt dar, (kleinbildäquivalente 90mm und darüber hinaus). Wie wir nun alle wissen, nimmt die Schärfentiefe mit größerer Blende aber eben auch mit größerer/längerer Brennweite ab. Hier werde ich also durch meine Präferenz als auch durch die Optik gleich doppelt bestraft. Da langbrennweitige Objektive ja oftmals nicht die gleiche Lichtstärke aufweisen wie Weitwinkel und ich daher naturgemäß dann auch noch öfter zur Offenblende des Objektivs greifen muss. Blöde Sache. Ich achte hier also anscheinend nicht genug auf meine Kameraeinstellungen. Wird wohl so sein!

Wenn ich retrospektiv auf all meine bisher in meinem Besitz befindlichen Kameras zurückdenke, dann macht es mir meine (neue) Fuji (X-Pro2) durch die Fülle an möglichen Anzeigeoptionen im Sucher am Schwierigsten, mich auf das Wesentliche, nämlich Verschlusszeit & Blende zu konzentrieren. Diese beiden Einstellungen werden nämlich nicht prominenter als alle anderen Informationen angezeigt, genau da orte ich (für mich persönlich) auch ein kleines Manko. Was kann ich also vorbeugend und bewusst dazu tun, um scharfe Bilder zu bekommen?

Ich habe zwei (mit vielen Detailaspekten versehenen) Handlungsfelder, welche ineinander übergreifen:

  1. Bildkomposition – wieviel Schärfentiefe braucht das Motiv, wieviel Unschärfe verträgt das Bild? Also die Wahl der richtigen Brennweite & Blende an der Kamera
  2. Technischer Natur – Optimierung bei der nachgelagerten Bildbearbeitung

Und genau damit wird sich dann Teil II beschäftigen – den ich zwecks Vollständigkeit des Artikels hier wahrscheinlich anhängen und nicht als eigenen Beitrag posten werde.
Jedenfalls kann ich eines vorweg nehmen: je mehr und länger ich mich damit beschäftige, desto umfangreicher, vielfältiger und aspektreicher wird dieses eine, für uns Fotografen doch so wichtige, Thema. Spannend, aber auch aufwändig.

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