Slowenien III – Lipica, Grotten & das Wippbachtal

Lipizza bzw. in slowenischer Landessprache Lipica liegt nur eine Handvoll Kilometer im Karsthinterland von Triest und ist die ursprüngliche Heimat der berühmten weißen Pferde. Gegründet in der Habsburger Monarchie für Repräsentationszwecke, schaffte es diese Rasse durch ihre Dressurgelehrigkeit in die Spanische Hofreitschule nach Wien. Während des ersten Weltkriegs wurden die Pferde ua. in den österreichischen Ort Piber verlegt und seitdem steht Lipca im Schatten der Österreicher.
Imposant ist jedenfalls die Zufahrt zum Gestüt – eine kurvenreiche, schier nicht enden wollende Straße, weiß eingezäunt mit zahlreich gepflanzten Bäumen – ein Eldorado für die edlen Pferde. Besucher können sich frei am Gelände bewegen, die Stallung besuchen und auf Tuchfühlung mit den interessierten Pferden gehen und für alle Hintergrundinformationen an geführten Touren teilnehmen. Der Besuch der Reitübungsstunden kostet extra, findet in einer gespenstisch wechselnden grün-blau ausgeleuchteten Reithalle statt und wird mit einer seltsam monotonen Stimme mehrsprachig kommentiert. Das Üben des einen oder anderen Kunststückes, auf das wir insgeheim gehofft hatten, findet nicht statt, ja nicht einmal ein Arbeitsprogramm ist für mich erkennbar und so kann dieser Besuchspunkt jedenfalls getrost eingespart werden, ohne im Nachhinein befürchten zu müssen, irgendetwas Wesentliches verabsäumt zu haben.

Stück für Stück wird hier an der weitläufigen Anlage renoviert und wer am höchsten Punkt, dem historischen Zentrum samt Schloss und Kapelle steht, die alten, herrschaftlichen Ansichten des Anwesens auf der Schautafel betrachtet und die Allee Richtung Triest hinunterblickt, der wünscht sich, dass dieses Gestüt möglichst bald zu seiner einstigen Größe zurückkehren möge. Mit dem mE. äußerst gelungen, interaktivem Museum geht alles in die richtige Richtung. Besuchspunkt abgehakt.

Wir verlassen den Karst Richtung Nordosten auf der E61. Unser nächster Stopp steht im Zeichen einer Höhlenbesichtigung. Nachdem uns die Adelsburger Grotte in Postoijna zu touristisch & bekannt erscheint, entscheiden wir uns stattdessen für den Besuch der Grotte von St. Kanzian bzw. slowenisch Škocjanske jame, die seit 1986 in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen wurde. Und außerdem habe ich erstere als Kind bereits besucht – auch wenn ich mich daran nicht erinnern kann. Jedenfalls war das damals noch zu Josip Broz Titos Zeiten im ehemaligen Jugoslawien. Diese Epoche hat Slowenien nun schon lange hinter sich gelassen!

Die Höhle wurde vom Karstfluss Reka geformt, der mit dem Regen zuerst Kalk aus dem Karstgestein ausschwemmt hat und hernach durch den Einsturz dieser Räume über dem Fluss Dolinen, dh. Einsturztrichter, formt.
Vom Besucherzentrum geht’s zuerst in gut 15’ bergab in eine dieser großen Senken, bevor die Führer uns Besuchern die Tür ins Berginnere öffnen. Auf einem sehr komfortabel ausgebauten Treppenweg marschieren wir dann von Höhle zu Höhle, entlang bizarrer, wunderschön ausgeformter Tropfsteine. Alles endet im Freien, dem „großen Tal“, wo auch ein Aufzug die Besucherströme zurück zum Ausgangspunkt bringt. Ich entscheide mich für den Gehweg zurück, bietet dieser doch noch einen Blick auf die tosende Reka sowie in eine weitere Höhle. Und die paar Stufen mehr zum Ausstieg sind jetzt auch nicht mehr von Belang. Definitiv sehenswert!

Unser Abendziel ist Landol, ein kleines Örtchen in der Nähe des weithin sichtbaren Nanos-Bergstocks, der das südliche Ende der Julischen Alpen sowie das Nordende des slowenischen Karsts repräsentiert. Wir beziehen Quartier bei einem finnisch-wallischem Ehepaar, Hanna und Chris, welche sich in Slowenien ihren Lebenstraum erfüllt haben. Weit gereist, haben sie ihren Brotberuf in London aufgegeben, um in ihrer Lippizaner-Lodge Gäste aus aller Welt zu beheimaten und die Schönheit ihrer Neo-Heimat Slowenien zu promoten. Gelebter Europäismus nenne ich sowas! Chris hat einen Ordner voller Wissen ink. Auspflugs- & Einkaufstipps der Umgebung für seine Gäste angelegt. Darin wird ein Jeder fündig!
Toplogisch gesehen liegt die Gegend um Landol und den Nanos-Berg hervorragen, rasch ist das Meer erreicht und ebenso befindet man sich Nahe der Alpen bzw. den Städten Triest und Laibach sowie die Weinregion Wippbachtal Richtung Friaul. Hier verläuft auch die Klimagrenze zwischen dem gemäßigten Kontinental- und submediterranen Klima.

In gemütlicher 1h-Spazierweg-Distanz liegt die mächtige Höhlenburg LuegPredjamski grad. Ein wahres Schmuckstück, die Burg liegt uneinnehmbar an den Felsen angelehnt und bietet zudem einen geheimen Höhlengang, der auf den Berggipfel führt. Ein Bubentraum! Natürlich existiert auch eine sagenhafte Geschichte von einem Raubritter, Erasmus von Luegg, in dem der Geheimweg eine wichtige Rolle spielt.  Schlussendlich endete die Geschichte von Erasmus aber auf eine unrühmlich, tragisch-komische Art & Weise: er wird am Abort von einem seiner Diener mit einer Kanonenkugel erschlagen.

Nutürlich kann auch die über mehrere Ebenen gelegene Höhle besichtigt werden – wir haben aber in diesem Urlaub bereits genügend Schluchten, Klammen und Höhlen auf unserem Besichtigungskonto gesammelt und entschließen uns diesmal zugunsten der Burgbesichtigung. Dass die Höhlengruppe im bunten, wasserfesten Ölzeugs angerückt kommt, bestätigt unsere Entscheidung und lässt uns augenzwinkernd zum Burgeingang hochspazieren. Die Burg ist gut renoviert und zeigt auch sehr schön die Ausgestaltung der Innenräumlichkeiten sowie einer kleinen, aber feinen Waffensammlung – grausliches Gerät in Form von Morgenstern, Streitkolben und -axt.

Den Nachmittag verbringen wir dann im Wippbachtal, Vipava – Wine Shopping ist angesagt. Beim Umrunden des Nanos bereue ich es, hier keinen weiteren Tag mit der Besteigung dieses tollen Aussichtspunktes verbringen zu können. Mein Trost: dies wird ein fixer Programmpunkt bei unsrer Wiederkehr (zB. auf dem Weg nach Istrien). Das Hochplateau des Nanos begleitet wie ein großer Bruder seine kleine Schwester, das Wippbach-Flüsschen.
Wir verlassen bei Lože die eintönig gerade Bundesstraße und handeln uns am westlichen Höhenzug entlang der kleinen Dörfer Manče, Goče, Erzelj sowie der Weinreben Richtung Norden vor und kommen so von der „Maschekseite“ an unser Ziel, den Ort Vipano.

Auf dem Weg dorthin locken erwanderbare Kapellen und Kirchen auf den Hügeln, perfekte Aussichtspunkte, ein eindrückliches Kriegsdenkmal – ganz gestaltet aus Gewehr- und Pistolenrelikten des zweiten Weltkriegs, schrottreife TAM-LKWs, denen ein zweites Leben als wetterfestes Bienenheim eingehaucht wurde und kunstvoll kultivierte, in den Hang geschnittene Rebzeilen beim Guerila-Weingut. Das Ganze wird jederzeit von einem herrlichem Blick auf das östlich gelegene Nanos-Plateau flankiert.

Die mit über 170 verschiedenen Weinen gut bestückte Gebietsvinothek in Vipava lässt dann mein Weinherz höherschlagen. Selten habe ich so viele innovative, kleinstrukturierte und experimentierfreudige, auf hohem Niveau agierende Weingüter mit tlw. autochthonen Rebsorten der Region (zB. Pinela, Pikolit & Zelen, Rebula & Refošk, die auch im angrenzenden, italienischem Collio gedeihen) wie hier in Slowenien kennengelernt. Ein wahrliches Gaumen-Eldorado für aufgeschlossene Weintrinker! Und als wäre das nicht schon genug, wurde mir auch noch das Glück einer überaus charmanten Sommelière zuteil, die mich fachkundig durch das Sortiment und Subregionen führte. Nachdem der Kofferraum mit einigen flüssigen Köstlichkeiten bestückt wurde, spazieren wir durch den im Park vor dem Herrschaftshaus und Schloss Manor Lanthieri – heute Teil der Universität Nova Gorica. Ein kleines, feines Abendessen mit lokalen Spezialitäten gab es dann auf Empfehlung der Vinothek-Miratbeiterinnen in der Bar „at Marjanca“, unser Kellner trägt weiße Handschuhe beim Servieren – ganz die alte Schule.

Zurück im Quartier der Lippizaner Lodge heißt es Koffer packen – morgen geht’s für den Urlaubsabschluss noch für ein paar Tage nach Lublijana.

 

Bisherige Beiträge: Slowenien I – Rund um Bled  | Slowenien II – Triglav & Soča

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